
Imagefilm: Es geht nicht darum, alles zu zeigen
Ein Imagefilm soll ein Bild erzeugen, das steck bereits im Namen. Es ist aber kein Bild vom großartigen Firmengebäude, deinem lächelnden Team oder dem innovativen Produkt. Es geht mehr darum ein Bild zu erzeugen, wofür dein Unternehmen steht. Es geht also mehr im das Wie, als um das Was.
In der Praxis erleben ich es immer wieder. Man sitzt im Breefing und überlegt sich, was man alles zeigen muss: Die Top Ten Produkte, die große Lagerhalle und das Portrait vom Großvater und Firmengründer an der Wand. Ach ja, die Weiterbildung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und das soziale Engagement darf auch nicht fehlen. Und die neue Niederlassung im Ausland gehört natürlich auch dazu. Am Ende steht dann eine ewig lange Liste, mit den wichtigsten Eckdaten für den neuen Imagefilm.
Die bessere Frage wäre aber: Was soll man nach dem Film über uns wissen?
Oder noch einfacher: Welches Gefühl soll beim Zuschauer bleiben?
Ich zeige dir im Folgenden, wie du dich den wirklich wichtigen Themen für einen Imagefilm näherst und wie du daraus passende Konzepte ableiten kannst.
Inhaltsverzeichnis
Der erste Fehler: zu viel wollen
Viele Imagefilme wollen sehr viel leisten. Sie sollen informieren, erklären, begeistern, Vertrauen schaffen, modern wirken, sympathisch sein, Professionalität zeigen und gleichzeitig möglichst viele Bereiche abbilden. Das ist aber nicht die primäre Aufgabe. Ein Imagefilm ist kein Rundumschlag, sondern ein gezielter Film für die Imagebildung. Er ist kein Verkaufsfilm, kein Erklärfilm und auch kein Social Media Clip.
Ein Film funktioniert nicht wie eine Broschüre. Ein Imagefilm muss daher nicht vollständig sein, sondern stimmig. Und genau das zeigen, was das Unternehmen wirklich ausmacht, was es vom Mitbewerber abhebt. Wenn zu viele Inhalte vermittelt werden sollen, entsteht schnell ein Film, der zwar vollständig ist, aber nicht berührt. Man sieht viele Räume, viele Menschen, viele Tätigkeiten, aber am Ende bleibt wenig hängen und im schlimmsten Fall wirkt alles austauschbar.
Ein guter Imagefilm trifft eine Auswahl und erzählt den eigentlichen Kern.
❗ Kläre die Frage nach der Absicht hinter dem Video gleich zu Beginn. Ich hatte es schon selbst erlebt, dass aus einem geplanten Recruitingfilm der Kunde während der Produktion plötzlich die Themen änderte und ein Imagefilm entstand – mit mäßigem Erfolg, da die Aufnahmen und das Konzept nicht mehr zusammenpassten.
Die richtigen Inhalte für deinen Imagefilm
Oft wird versucht, im Imagefilm möglichst viel abzusichern und viele Details zu erklären. Jede Abteilung soll vorkommen. Jede Leistung soll genannt werden. Jeder Wert soll sichtbar sein. Jeder Produktvorteil erklärt werden.
Das ergibt dann schnell ein Film, der eher wie ein Dokumentarfilm wirkt und wenig Emotionen transportiert. Das kann durchaus ein gewolltes Konzept sein, aber dann muss es auch mit der richtigen Erwartungshaltung produziert werden. Denn ein solcher Film ist vermutlich eher kein Imagefilm.
Natürlich braucht ein Imagefilm echte Inhalte. Er darf nicht nur aus schönen Bildern bestehen. Aber er muss nicht alles enthalten oder beweisen, was eine Organisation ausmacht.
Überlege dir mal die Antworten auf die folgenden Fragen, dann kommst du den passenden Inhalten und Themen näher:
- Was können wir besonders gut? Objektiv, nicht subjektiv. Woran erkennt man das?
- Wie arbeiten wir? Und warum genauso?
- Welche Haltung wird spürbar? Woran ist das Erkennbar?
- Warum sollte das den Zuschauer interessieren?
ℹ️ Die letzte Frage ist mit Abstand die wichtigste, da sie vor allem eines deutlich macht: Die passende Zielgruppe ist elementar für einen guten Imagefilm. Kenne deine Zielgruppe und wähle die Themen exakt dafür aus. Wenn du im B2B Bereich tätig bist, solltest du andere Inhalte in den Fokus rücken, wie im B2C Geschäft. Im Premium-Segment sind Themen wichtig, die preisbewusste Zielgruppen vielleicht sogar abschrecken und auch die Sprache sollte passend gewählt sein.
Inhalte müssen etwas aussagen
Nicht jede Szene ist automatisch wichtig, nur weil sie schön aussieht. Und nicht jede Information gehört in den Film, nur weil scheinbar wichtig ist. Stelle dir daher bei der Auswahl immer die Frage: Welche Funktion hat dieser Inhalt?
Ein paar Beispiele
- Eine Werkstattaufnahme kann zeigen, wie sorgfältig gearbeitet wird
- Ein Gespräch im Team kann Zusammenarbeit sichtbar machen
- Ein Kundenzitat kann Vertrauen schaffen
Versuche immer den Inhalt nicht plakativ auszusprechen, sondern in einer Handlung zu zeigen. So musst du eine sorgfältige Arbeitsweise nicht zwingend im Sprechertext nennen, sondern kannst das auch super über die Bilder transportieren.
Show, don’t tell, würde man in Hollywood sagen.
Gleiches gilt für die Aufnahmen. Braucht es wirklich die Drohnenaufnahme vom kahlen Dach der kleinen Werkshalle? Braucht es die epischen Bilder des Kleintransportes auf der Straße? Macht die Teamaufnahme, auf der alle in die Kamera lächeln, wirklich Sinn?
ℹ️ Meist passen ehrliche und authentische Bilder besser, als die episch inszenierten. Denn solche Bilder sagen auch etwas über dein Unternehmen aus. Große Bilder erzeugen z. B. ein Image von Größe, Stärke und ja, auch Qualität, aber selten wirken sie bodenständig, kundennah oder nahbar. Das kann gewollt sein, muss dann aber auch zum Unternehmen passen. Im Luxussegment kann das z.B. stimmig sein, beim regionalen Handwerker wirkt es vermutlich eher albern.
Begriffe reichen nicht
Fast jeder Imagefilm spricht irgendwann von Qualität, Innovation, Verantwortung, Nähe, Leidenschaft oder Teamgeist. Das mag im Kern stimmen, aber trifft so auch auf die meisten Konkurrenten auch zu. Und selbst wenn nicht, wirken sie auf den Zuschauer schnell austauschbar. Zu oft hat man diese Buzzwords schon gehöht und zu oft wurde man im Nachgang enttäuscht.
Manchmal kann der übermäßige Gebrauch solcher Floskeln sogar ungewollt komisch wirken. Das folgende Beispiel zeigt das gut und treibt es auf die Spitze. Der Film ist übrigens ein Werbefilm für Sigma und bewusst so gestaltet.
Versuche daher deine Botschaften zu übersetzen und greifbar zu machen:
- Was bedeutet Qualität im Arbeitsalltag?
- Woran erkennt man die soziale Verantwortung?
- Wie sieht Teamgeist aus, wenn gerade niemand in die Kamera lächelt?
- Wann merkt ein Kunde, dass hier wirklich anders gearbeitet wird?
Das Konzept ist die Klammer
Ein Imagefilm braucht nicht zwangsläufig eine große Geschichte. Aber er braucht eine klare Klammer. Ohne Klammer entsteht eine Aneinanderreihung: Außenaufnahme, Empfang, Büro, Produktion, Interview, Teamfoto, Logo. Das kann sauber produziert sein, fühlt sich aber oft beliebig an.
Eine Klammer kann dabei einfach sein:
- Ein Tag im Unternehmen
- Eine Person, die uns mitnimmt oder die wir begleiten
- Eine Frage, die beantwortet wird (Dann aber bitte nicht: „Wer sind wir?“)
- Ein Wert, der auf verschiedenen Ebenen sichtbar wird
- Ein Produkt, das aus verschiedenen Perspektiven betrachtet wird
ℹ️ Diese Klammer kann einfach sein, oder auch komplex und mit einer Handlung ähnlich einem Spielfilm. Meine Erfahrung hat aber gezeigt, dass hier weniger oft mehr ist.
Welcher Eindruck soll entstehen?
Ein guter Imagefilm beantwortet diese Frage und zwar nicht mit einem konkreten Produkt oder Person, sondern abstrakt und auf das Unternehmen als Ganzes bezogen.
Ein Imagefilm ist keine Selbstdarstellung, sondern eine verdichtete Vorstellung des Unternehmens. Im besten Fall versteht man danach nicht nur, was jemand macht, sondern warum es relevant ist und wie es sich anfühlt, mit diesem Unternehmen in Kontakt zu kommen. Genau darin liegt die Stärke eines guten Imagefilms: Er zeigt nicht alles. Aber er vermittelt genug, damit ein klares Bild entsteht. Für alles andere gibt es passenderer Formate.
Falls du Interesse an einem Imagefilm hast, lass uns gerne sprechen.
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