
GoPro in der Krise: Welche Rolle spielen Actioncams in professionellen Produktionen?
Dieser Artikel wurde zuletzt am 8. Juni 2026 aktualisiert.
Was haben Nutella, Tempo, Tesa und GoPro gemeinsam? Auf den ersten Blick gar nichts. Diese Markennamen aber werden im Alltag sofort mit einem konkreten Produkt verbunden, sogenannte Deonyme. Meist sind die Unternehmen dahinter Pioniere in ihrem jeweiligen Bereich und schafften dadurch innovative Produkte, die für eine ganze Produktgattung stehen. Eines meiner Beispiele steht nun vor einer der größten Krisen der Firmengeschichte. Die Rede ist vom Actioncam-Hersteller GoPro. Das amerikanische Unternehmen hat nämlich jüngst eine Warnung an die Aktionäre herausgegeben, die es in sich hat: Man sei sich nicht mehr sicher, ob das Unternehmen weiter bestehen kann.
Was ist da los, fragt man sich? Die Antwort ist natürlich wie so oft vielschichtig, aber zugleich auch relativ einfach zu beantworten. Zum einen hat sich die Branche gewandelt und zum anderen brachte die asiatische Konkurrenz bessere Produkte zu einem günstigeren Preis auf den Markt. Doch ist es so einfach? Verschwindet die GoPro wirklich? Ich stelle mir an dieser Stelle die Frage: Welche Rolle spielen Actioncams in professionellen Produktionen?
Inhaltsverzeichnis
Was ist mit GoPro los?
GoPro wurde im Jahr 2002 gegründet, ist also verhältnismäßig jung. Anfangs hatte CEO Nick Woodman vor allem Surfer an der kalifornischen Küste im Blick. Er sah eine Marktlücke für spektakuläre Aufnahmen durch preislich attraktive Kameras. Das Unternehmen fokussierte sich also von Anfang an auf die typischen weitwinkligen Aufnahmen aus dem Sportbereich und damit auf Privatkunden. Die Kameras waren klein, handlich und auch robust bzw. entsprechend geschützt.
Mit den Hero-Modellen gelang schnell ein steiler Aufstieg und die Kameras wurden allgegenwärtig. Spätestens ab der Hero 3 wurden die kleinen Cams dann auch für professionelle Produktionen brauchbar und vor allem für besondere Perspektiven sinnvoll. Ich selbst hatte mir damals auch eine Hero 3+ zugelegt. Ich erinnere mich noch gut, als ich das – ernst gemeint – als innovative Technik für besondere Blickwinkel auf dem Facebook-Kanal meines noch jungen Unternehmens postete.
Im Juni 2014 ging GoPro an die Börse und gewann folgend weitere Marktanteile. Das Unternehmen stellte mehrere Versionen seiner beliebten Kameras vor, die sich an unterschiedliche Nutzergruppen richteten. Trotz des Erfolgs zeigte sich schon bald, wie schwierig es ist, aus einer starken Produktkategorie dauerhaft ein breites Kamerageschäft aufzubauen. Die Erwartungen waren groß und die Umsätze brachen ein.
Den aufkommenden Drohnenmarkt wollte GoPro ebenfalls mitnehmen und entwickelte eine Drohne, die aber derart floppte, dass man sie nicht einmal ein Jahr später komplett einstellte. Mir war das gar nicht bewusst und ist mir erst mit den aktuellen Meldungen aufgefallen. Grund: Die Drohnen stürzten teilweise einfach ab und alle 2500 Exemplare wurden zurückgerufen. Gleichzeitig setzte DJI als aktueller Platzhirsch mit besseren Modellen den Dolchstoß. Fun Fact: Der chinesische Hersteller hatte GoPro zuvor eine Zusammenarbeit angeboten.
Das alles hat dem Unternehmen seitdem massiv geschadet und der Konzern hat erhebliche Zweifel an der Fortführung der Geschäfte, da der Schuldenberg zu hoch sei. GoPro führt aktuell Gespräche mit den Gläubigern und auch ein Verkauf steht im Raum.
Was die GoPro kann (konnte)
Als die GoPro-Hero-Modelle auf den Markt kamen, waren diese vor allem für die spektakulären Sportaufnahmen bekannt. Das typische weitwinklige Objektiv erzeugte eine unverwechselbare Perspektive von „Mittendrin statt nur dabei“. Aufnahmen, die tatsächlich lange Zeit nur so möglich waren, ohne auf teure Spezialgeräte zurückzugreifen. Zusätzlich waren die Kameras sehr klein, robust, wasserdicht (anfangs mit Gehäuse, später auch ohne) und einfach in der Bedienung.
Auch wenn die Kamera nie für den professionellen Markt bestimmt war, wurde sie auch zunehmend dort eingesetzt. Ich selbst habe einige Modelle gekauft, die ich z. B. mit einem Saugnapf an Autos befestigt oder für Aufnahmen in sehr engen Maschinen genutzt hatte. Aber auch für Making-of-Aufnahmen oder Zeitraffer hatte ich des Öfteren eine in Verwendung. In meinen Produktionen nutze ich die Kamera zudem häufig als Kamera für den Schlagzeuger auf Konzerten. Das sind alles Anwendungszwecke, die mit einer normalen Kamera nicht möglich gewesen wären oder bei denen ich andere Kompromisse hätte eingehen müssen.
Ich selbst bin hier natürlich kein Einzelfall und die kompakten Kameras fanden (und finden) sich noch immer in einer Vielzahl hochwertiger Produktionen, bei denen genau diese Eigenschaften gefragt sind. Prominentes Beispiel wäre z. B. die Erfolgsserie „Feuer & Flamme“, bei der teilweise 50 angepasste GoPros an der Kleidung von Feuerwehrmännern oder den Fahrzeugen angebracht wurden. Die kompakte Technik macht Reportagen in diesem Stil erst möglich.
Vielleicht versucht GoPro derzeit, den professionellen Markt für sich zu nutzen. Die vor einigen Wochen vorgestellte Profi-GoPro Mission 1 Pro* mit großem Sensor verspricht filmreife Aufnahmen. Das Versprechen gab es auch schon früher, aber die Technik dahinter ist tatsächlich nicht schlecht und kann überzeugen. Vermutlich aber kommt das Modell zu spät und kann durch die kleinere Zielgruppe wohl kaum dazu beitragen, das Unternehmen aus der Verlustzone bringen.
Was mich an Actioncams nervt
Auch wenn die Vorteile toll klingen, so nervte mich einiges doch immer wieder. Da wäre die Bildqualität. Die ist nicht schlecht, keine Frage, aber nur, wenn man sie im Bereich der Actioncam betrachtet. Im Vergleich zu einer Aufnahme mit einer Systemkamera ist der Unterschied sehr deutlich. Auch der extreme Weitwinkellook ist nicht immer gewollt. Ich möchte das an dieser Stelle gar nicht als negativen Punkt aufführen, da es zum einen technisch bedingt ist und zum anderen auch ein bewusstes Stilmittel sein kann. Aber es macht solche Aufnahmen eben nicht beliebig kombinierbar und die Clips bleiben in der Regel Spezialaufnahmen.
Auch beim Thema Low-Light, also Aufnahmen bei Dunkelheit, kommt die Technik stark an die Grenzen. Dunkelheit ist hier ein harter Begriff und in der Realität reicht die Dämmerung bereits aus, damit das Bildrauschen störend wird. Auch darüber kann ich aber hinwegsehen.
Was mich wirklich stört, sind die Batterielaufzeit und die Empfindlichkeit für Hitze. Die Batterie lässt sich einfach auf den Punkt bringen: Nach maximal 1,5 h ist Schluss. Das war mir oft zu wenig. Schlimmer aber ist die Anfälligkeit für Hitze. Und unter Hitze versteht GoPro wohl eher einen lauwarmen Tag im Frühling. Mir ist die Kamera oft einfach ausgegangen: in einem normalen Theater oder wenn die Sonne ein wenig auf das Gehäuse geschienen hat. Es war für mich nicht planbar, wie lange die Kamera durchhält, und das Risiko für eine fehlerhafte Aufnahme war (und ist) sehr hoch. Auch in den aktuellen Modellen hat GoPro das noch nicht voll im Griff. Die Konkurrenz ist hier deutlich weiter.
Außerdem hatte ich die Kamera einige Male im Setup für einen Livestream als „Behind the Scenes“-Kamera im Einsatz. Der Anschluss und die Steuerung blieben mir hier negativ in Erinnerung. Nun nutze ich hierfür eine kleine Kamera von Blackmagic.
Die Konkurrenz schläft nicht
GoPro kämpft heute mit der starken Konkurrenz aus Fernost. Allen voran wären das DJI, aber auch Insta360. Beide schaffen es, die meist deutlich besseren Modelle auf den Markt zu bringen, die einen vergleichbaren Preis haben oder sogar günstiger sind. Heute reagiert GoPro meist auf neue Vorstellungen verspätet und schafft es kaum mehr, einen Benchmark zu setzen.
Meine letzte GoPro war die Hero 11. Nach wie vor eine brauchbare Kamera. Da ich aber mittlerweile einige Produkte von DJI habe sowie eine Insta360 X4 360-Grad-Kamera*, wird mein nächster Kauf mit großer Wahrscheinlichkeit in diesem Ökosystem bleiben. Insbesondere die 360-Grad-Kamera von Insta360 hat es mir angetan. Sie bietet einen ähnlichen GoPro-Look bei voller Kontrolle des Bildausschnitts. Das ist perfekt für Veranstaltungen oder eben genau für die Aufnahmen, für die ich früher eine klassische Actioncam genutzt hatte. Für mich ist das die aktuelle Spezialkamera.
Wenn sich die Amerikaner nichts einfallen lassen, das sich nach „Must-have“ anfühlt, haben sie mich als Kunden verloren. Aber nicht erst in den letzten Tagen, sondern schon vor Jahren.
Welche Rolle bleibt Actioncams heute?
Eine Actioncam ersetzt keine Hauptkamera. Für Interviews, hochwertige Produktaufnahmen oder kontrollierte Imagefilm-Szenen ist sie meist nicht die beste Wahl. Dafür sind Sensor, Objektiv, Ton und Bildgestaltung zu eingeschränkt.
360-Grad-Kameras haben zudem viele frühere Actioncam-Aufgaben übernommen. Gerade bei Events oder dynamischen Situationen ist es ein großer Vorteil, den Bildausschnitt später festlegen zu können. Für mich persönlich ist das inzwischen oft wertvoller als eine klassische feste Weitwinkelperspektive.
Die professionelle Frage lautet deshalb nicht mehr: „Welche GoPro nehme ich?“, sondern: „Welche kleine Spezialkamera löst mein konkretes Problem am besten?“ Manchmal ist das weiterhin eine Actioncam. Manchmal ist es eine 360°-Kamera, ein Smartphone, eine kleine Systemkamera oder eine zusätzliche kompakte Kamera im Livestream-Setup. Welcher Name auf dem Produkt steht, ist dabei zweitrangig.
Fußnoten
Foto Titelbild: GoPro
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