
Lernvideos im Unterricht sinnvoll einsetzen: Nicht nur Lückenfüller
Dieser Artikel wurde zuletzt am 21. Januar 2026 aktualisiert.
Du unterrichtest in der Mittel oder Oberstufe und willst deinen Unterricht lebendig gestalten? Lernvideos im Unterricht wirken dafür ideal: schnell verfügbar, oft gut erklärt und für viele Themen gibt es passende Dokus, Verlagsclips oder YouTube Videos. In der Praxis landen sie dann aber nicht selten in der Rolle als schneller Unterrichtsbaustein, wenn noch Zeit übrig ist oder wenn eine Vertretungssituation entsteht. Das ist verständlich, weil ein Video kurzfristig Ruhe verspricht und immer funktioniert.
Genau da liegt aber das Problem: Wenn ein Clip zu lang ist oder ohne klaren Auftrag läuft, kippt der Effekt gerade in diesem Alter schnell ins Gegenteil. Die Aufmerksamkeitsspanne ist oft kurz, einzelne steigen nach wenigen Minuten aus, andere kommentieren, es wird unruhig und du kämpfst plötzlich mehr mit der Situation als vorher. Dann ist das Video zwar gelaufen, aber es hat den Unterricht nicht wirklich vorangebracht.
Inhaltsverzeichnis
Drei Schritte, die Unruhe rausnehmen und Lernen reinbringen
Mit einem einfachen Vor, Während und Nach Plan kannst du Videos so einsetzen, dass sie auch bei kurzer Aufmerksamkeitsspanne funktionieren. Du gibst vor dem Start einen klaren Auftrag, du teilst den Clip in kurze Etappen mit festen Pausen, und du sicherst danach in wenigen Minuten das Wichtigste. Das klappt in fast jedem Fach und sowohl in der Mittel- als auch in der Oberstufe, egal ob du einen Ausschnitt aus einer Doku zeigst, ein Verlagsvideo nutzt oder ein YouTube Clip dran ist
Vor dem Video: Der Arbeitsauftrag
Wenn du willst, dass ein Video nicht nur „läuft“, sondern im Kopf ankommt, solltest du gleich zu Beginn erklären, was die Klasse daraus mitnehmen soll. Gerade in Mittel- und Oberstufe hilft das, weil Schülerinnen und Schüler sonst schnell in den Modus „konsumieren“ rutschen. Dann kommen Kommentare, Nebenbeschäftigungen und Unruhe deutlich schneller auf. Einen Film über eine ganze Doppelstunde zu schauen ist in diesem Alter kaum mehr realistisch umsetzbar.
Bevor du startest, gibst du der Klasse einen klaren Auftrag und machst ihn sichtbar an der Tafel oder auf einer Folie. Das Video läuft also nicht einfach nebenbei, sondern alle wissen, auf was sie achten sollen. Falls nötig aktiviere auch das Vorwissen und gib Impulse für das folgende Video.
- Formuliere eine Leitfrage: Was ist die wichtigste Aussage des Clips und welche Details stützen diese Aussage?
- Beobachtungsauftrag: Schreibt drei Stichpunkte mit, welche die Aussage stützen. Zu jedem Stichpunkt notiert ihr einen Beleg aus dem Video. Das kann ein wörtlicher Satz, eine kurze Szenenbeschreibung oder eine Zeitmarke sein.
Während des Videos: Kleine Pausen
Während des Videos solltest du mit kurzen Pausen arbeiten, statt den Clip einfach durchlaufen zu lassen. Diese Unterbrechungen setzt du dort, wo es inhaltlich Sinn ergibt. Typische Stellen sind ein neuer Begriff, eine zentrale Aussage, ein wichtiges Beispiel oder ein Themenwechsel. Idealerweise ist so jedes Kapitel nicht länger als zehn Minuten. Es ist kein Geheimnis, dass nach dieser Zeit die Aufmerksamkeit bereits spürbar nachlässt, vor allem bei „weniger spannenden“ Themen.
In jeder Pause gibst du deinen Schülerinnen und Schüler eine kurze Aufgabe, z. B. einen Stichpunkt ergänzen, einen passenden Beleg notieren oder kurz prüfen, wie sich der Inhalt oder Aussagen auf die Leitfrage beziehen. Wichtig ist, dass das ohne großen Aufwand geht. Stichpunkte reichen hier völlig. So bleibt das Tempo hoch und du schaffst eine gute Grundlage für die Auswertung danach.
🎓Unterrichtsidee: Spiele z. B. ein Erklärvideo ohne Ton ab und lasse die Schüler den Off-Text live dazu sprechen. Das funktioniert super als Wiederholung und sorgt oft für Lacher im Klassenzimmer.
Nach dem Video: Inhalte strukturieren
Nach dem Video solltest du die Ergebnisse sofort sichern, solange der Clip noch präsent ist. Wenn du an dieser Stelle nur fragst „Und, habt ihr es verstanden?“, bekommst du meist einzelne Wortmeldungen, während der Rest schon wieder gedanklich woanders ist. Besser ist eine kurze Aufgabe, die alle gleichzeitig erledigen und die direkt zur Leitfrage passt.
Drei Formen, die in einer Unterrichtsstunde gut funktionieren, können so aussehen:
- Abgleich der Notizen: „Wählt euren stärksten Stichpunkt aus und schreibt den Beleg sauber dazu. Danach tauscht ihr euch zwei Minuten zu zweit aus und einigt euch auf einen gemeinsamen Punkt.
- Transfer zum Unterrichtstoff: „Formuliert aus euren Notizen eine Erklärung in einem Satz. Nutzt dabei Sätze wie z. B. diesen: „Das Video zeigt, dass …, weil … . „. Wenn du am Ende der Stunde eine solche Zusammenfassung von allen Gruppen hast, ist das ein guter Abschluss.
- Lernkontrolle durch konkrete Fragen: Welche Aussage war zentral? Nenne einen Beleg aus dem Video. Welche Frage hast du danach noch?“ Das kannst du auch in Form eines kleinen Quiz aufbereiten, wenn du lieber direktes Feedback willst.
Drei Videotypen, die du nutzen kannst
Egal ob du einen Doku Ausschnitt zeigst, ein Verlagsvideo nutzt oder einen YouTube Clip einsetzt, der Ablauf bleibt gleich: Leitfrage und Beobachtungsauftrag vorher sichtbar machen, währenddessen mit kurzen Pausen steuern, danach sofort sichern. Was sich je nach Videotyp ändert, sind vor allem Länge, Aktualität und wie zuverlässig die Inhalte sind. Wenn du die typischen Vor- und Nachteile kennst, fällt dir die Auswahl leichter und du kannst deinen Auftrag besser zuschneiden.
(Allgemeine) Dokus oder Reportagen sind oft gut recherchiert und produziert. Gleichzeitig sind sie meist aber zu lang für eine einzelne Unterrichtsstunde und enthalten viele Informationen, die aber nicht immer zu deiner Leitfrage passen. Hier lohnt es sich fast immer, nur einen klaren Ausschnitt zu nutzen und die Belege auf eine zentrale Aussage zu fokussieren. So nutzt du die Qualität der Recherche, ohne dass die Klasse unterwegs aussteigt. Prüfe immer, ob du den Film verwenden und zuschneiden darfst.
Verlagsvideos für Schulen sind dafür gemacht, in Unterrichtsabläufe zu passen. Sie sind häufig verständlich aufbereitet und kommen oft mit Begleitmaterial. Der Nachteil ist, dass sie nicht immer alles abdecken, was du gerade brauchst, oder dass Beispiele und Zahlen nicht mehr ganz aktuell sind. Hier hilft es, die Leitfrage eng zu formulieren und in der Nachbereitung kurz einzuordnen, was du ergänzt oder aktualisierst. Solche Videos sind in der Regel nicht kostenlos, aber viele Verlage haben auch einen YouTube-Kanal, wie z. B. Cornelsen.
YouTube Videos können für den Unterricht sehr gut sein, weil es zu fast jedem Thema Erklärungen, Experimente, Reportagen oder Kommentare gibt. Gleichzeitig ist die Qualität gemischt und du solltest vorab prüfen, ob Inhalt, Sprache, Beispiele und Darstellung zu deiner Klasse passen. Dazu kommt das Umfeld, das schnell ablenkt. Wenn du YouTube nutzt, ist ein kurzer Qualitätscheck vorab sinnvoll und du solltest die Aufgabe so formulieren, dass die Klasse konkrete Belege sammelt. YouTube Videos kannst du herunterladen, wenn auch mit Umwegen, was dir ermöglicht das Video zu schneiden und die Ablenkung durch die Oberfläche der Plattform zu vermeiden. Prüfe das aber auch rechtlich.
💡 Gute und bekannte Lernkanäle sind z. B. MrWissen2go, Lehrerschmidt oder öffentlich rechtliche Angebote wie Planet Schule und Terra X Plus.
ℹ️ Bevor du ein Video auswählst, solltest du immer prüfen, ob es wirklich zu deinem Ziel und zu deiner Lerngruppe passt. Ist es inhaltlich korrekt? Von einer vertrauenswürdigen Quelle? Passt die Länge und der Fokus? Liefert es prüfbare Belege für Aussagen?
Häufige Stolpersteine und schnelle Lösungen
- Das Video ist zu lang: Wenn du merkst, dass der Clip mehrere Themen gleichzeitig behandelt oder zu schnell springt, solltest du ihn kürzen oder nur einen Ausschnitt zeigen. Eine Leitfrage sollte am Ende mit drei Stichpunkten beantwortbar sein. Wenn das nicht klappt, ist das Material zu breit.
- Video wird zum Lückenfüller: Wenn du ein Video nur „noch schnell“ einsetzt, fehlt oft der Auftrag. Nimm dir trotzdem die zwei Minuten für Leitfrage und Beobachtungsauftrag. Das ist der Unterschied zwischen Beschäftigung und Unterricht.
- Unruhe während des Schauens: Sobald Kommentare und Nebenbei Aktionen starten, hilft es, die nächste Pause früher zu setzen und einen kurzen Schreibauftrag zu geben. Beobachte deine Klasse und nimm das Wissen für die Nutzung in anderen Klassen mit.
- Nach dem Video fehlt die Zusammenfassung: Plane am Ende immer eine Zusammenfassung ein. Das kann ein Satz sein oder Belege, die du in der nächsten Stunde aufgreifen kannst.
Lernvideos im Unterricht: So klappt’s
Wenn du Lernvideos in Mittel- und Oberstufe nutzt, entscheidet nicht das Video über den Erfolg, sondern dein Ablauf. Mit einer sichtbaren Leitfrage und einem Beobachtungsauftrag mit Belegen gibst du der Klasse eine klare Richtung. Während des Clips helfen kurze Pausen an sinnvollen Stellen, damit alle aktiv bleiben. Danach sicherst du die Ergebnisse sofort, zum Beispiel mit einer Kernaussage in einem Satz. So werden Dokus, Verlagsvideos und YouTube Clips vom Lückenfüller zu einem Unterrichtsbaustein, der wirklich etwas auslöst.
Wenn du das Thema weiter ausbauen willst oder mit deiner Klasse ein Video produzieren möchtest, findest du hier weitere Praxisideen und Hintergründe.



