
Synchronsprecher boykottieren Netflix: deutsche Tonspur in Gefahr?
Dieser Artikel wurde zuletzt am 3. Februar 2026 aktualisiert.
Eine Vertragsklausel von Netflix sorgt derzeit vor allem bei Sprecherinnen und Sprechern für Aufruhr. Konkret geht es um die Nutzung der Stimme für KI-Tools. Deutsche Synchronsprecher boykottieren daher die Zusammenarbeit mit dem Streaming-Anbieter.
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Nutzung der Stimmen für das KI-Training
Auslöser ist eine Vertragsklausel, die dem Streaming Giganten die Nutzung der Stimmen für das KI-Training ermöglicht – ohne zusätzliche Bezahlung. Das ist grundsätzlich nur mit Einwilligung der Sprecherinnen und Sprecher möglich. Nun verweigern manche die Zusammenarbeit mit Netflix, was im schlimmsten Fall zu einer Veröffentlichung der Produktionen ohne deutsche Synchronisation führen könnte. Betroffen sind vor allem Eigenproduktionen von Netflix.
Der Konflikt ging von der Synchronsprecherin Vivien Faber aus und hat sich schnell verbreitet. Zahlreiche ihrer Kolleginnen und Kollegen schlossen sich an und weigern sich, die neuen Verträge zu unterschreiben.
Der Verband Deutscher Sprecher:innen (VDS) unterstützt den Boykott und schreibt dazu in einer Stellungnahme:
Die Abgabe persönlicher Daten als Trainingsmaterial für KI-Systeme darf kein Branchenstandard werden. Wir sind Kunstschaffende, keine Datenquellen. Wer eine Technologie nicht fördern will, darf nicht dazu gezwungen werden. Es gibt viele Versionen der Zukunft und wir haben das Recht, sie mitzugestalten.
VDS
Es geht an dieser Stelle vor allem um eine Grundsatzfrage: Dürfen Stimmen in KI-Systemen landen und wie dürfen diese Daten genutzt werden. Die Rechtslage ist hier eindeutig und eine ausdrückliche Zustimmung ist in den meisten Fällen erforderlich. Laut VDS hat Netflix Verhandlungsangebote bisher ignoriert.
Der Bundesverband Schauspiel (BFFS) hatte mit Netflix im vergangenen Jahr einen entsprechenden Vertrag geschlossen. Darin sind auch die Fragen für die Nutzung durch KI geregelt. Auf einer Informationsseite beantwortet der Verband zentrale Fragen zu den KI-Regeln, ruft aber dennoch zur weiteren Zusammenarbeit mit Netflix auf.
Auch der Branchenverband Produktionsallianz hatte sich bereits mit dem Thema beschäftigt und den ersten KI-Tarifvertrag der Filmbranche auf den Weg gebracht. Hier ging es in erster Linie um Schauspielerinnen und Schauspieler, der Kern der rechtlichen Fragen ist aber ähnlich und durchaus vergleichbar.
Netflix beschwichtigt
Netflix hingegen scheint die Vertragsklausel weit weniger streng zu sehen als die Sprecherinnen und Sprecher. Man werde weiterhin auf echte Stimmen setzen und ohne separate Zustimmung keine KI-Stimmen erstellen. So schreibt es der Bayerische Rundfunk, dem ein Schreiben vorliegt. Netflix verweist zudem auf die Gefährdung der laufenden Produktionen. Bei einem anhaltenden Boykott sei es nötig, zumindest vorerst, nur auf Untertitel zu setzen. Es bleibt also spannend.
Was KI-Stimmen wirklich können, kannst du hier nachlesen. Außerdem geht es um die grundsätzliche Frage, was Emotionen und Kreativität im Zeitalter von künstlicher Intelligenz noch wert sind.
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