
Green Shooting im Unternehmen: nachhaltige Videoproduktion
Dieser Artikel wurde zuletzt am 14. Januar 2026 aktualisiert.
Was glaubst du, wie viel CO2 eine einzige Folge „Tatort“ verursacht? Für die Produktion werden oft über 100 Tonnen CO2 veranschlagt. Doch mit teilweise sehr einfachen Mitteln lässt sich das fast halbieren, wie verschiedenen Studien und Berichte zeigen. Green Shooting heißt dabei das Zauberwort: Du planst und produzierst so, dass unnötige Emissionen und Abfälle gar nicht erst entstehen, vor allem durch kluge Entscheidungen bei Reisen, Energie, Material und Verpflegung.
Da die Idee dahinter grundsätzlich auf alle Film- und Videoproduktionen zutrifft, können das auch Unternehmen nutzen. Auch dann, wenn du nur ein Interview im Büro drehst oder ein Event dokumentierst. In kleinen Unternehmens-Teams entstehen viele Auswirkungen durch ganz normale Dinge: Wer muss wohin fahren, wie oft wird umgebaut, was wird neu gekauft statt geliehen und wie viele Extras schleppen wir am Drehtag mit, die wir gar nicht brauchen. Um diese Abläufe zu planen bzw. zu optimieren, musst du kein Filmprofi sein.
Inhaltsverzeichnis
Was „nachhaltig“ beim Unternehmensvideo wirklich bedeutet
Nachhaltig heißt bei Unternehmensvideos nicht, dass du plötzlich neue Technik brauchst oder alles perfekt machen musst. Es heißt, dass du die größten unnötigen Belastungen vermeidest, die bei fast jedem Dreh entstehen: Fahrten und Transporte, Strom und Licht, Material und Einweg, sowie Verpflegung und Abfall. Wenn du diese vier Bereiche bewusst steuerst, wird dein Dreh oft sogar einfacher, weil weniger Wege, weniger Kram und weniger spontane Lösungen nötig sind.
Vorproduktion: hier gewinnst du am meisten
In der Vorproduktion entscheidest du, ob dein Dreh einfach und planbar wird oder ob später unnötig Fahrten, Zeit und Material entstehen. Der wichtigste Schritt ist deshalb ein kurzes, sauberes Konzept: Was ist die Kernbotschaft, welche zwei bis drei Aussagen müssen wirklich sitzen und welche Bilder brauchst du dafür konkret? Das klingt erstmal nach einem klassischen Arbeitsschritt in jeder Produktion, durch ein konkretes Konzept reduzierst du aber auch indirekt den CO2-Abdruck, da du besser priorisieren kannst.
Danach planst du den Dreh so, dass Wege oder gar ganze Drehorte wegfallen. Drehe möglichst dort, wo die meisten Beteiligten sowieso sind und bündle mehrere Motive an einem Termin. Ein kurzes Telefonat oder ein Videocall im Vorfeld mit genau solchen Fragen kann Wunder wirken. Für Interviews heißt das oft: Fragen vorab freigeben lassen, den Raum einmal testen, Ton und Licht ausprobieren und eine (Pack-)Liste erstellen, was ihr wirklich mitnehmt. Alles, was du hier festlegst, erleichtert zum einen den Dreh, aber gleichzeitig schont es (oft auch unbewusst) das Klima.
💡Bonustipp: Denke bei jedem Film an die gesamte „Content Journey“. Für was könntest du das Material noch nutzen? So könnte beim Interviewe auch gleich ein Testimonial produziert werden, nehme daher noch die kurze Passage auf, die dafür fehlen würde.
ℹ️ Greenshooting schließt eine effiziente Produktion keinesfalls aus, sondern stärkt diese oft sogar. Etabliere daher solche Fragestellungen direkt in der Konzeptphase.
Drehtermine: Fahrten, Strom und Abfall
Am Drehtag selbst geht es vor allem darum, unnötige Fahrten, unnötigen Stromverbrauch und unnötigen Abfall zu vermeiden. Halte das Team so klein wie möglich und überlege, wer wirklich vor Ort sein muss. Wenn ihr außerhalb dreht, lohnt sich ein klarer Anreiseplan: Fahrgemeinschaften, Bahn statt Auto (sofern sinnvoll möglich), Termine so legen, dass niemand nur für eine halbe Stunde extra anreisen muss.
Vor Ort hilft eine einfache Regel: Nutzt zuerst das, was schon da ist. Tageslicht, vorhandene Räume, vorhandene Steckdosen (statt Akkus oder gar Generatoren). Wenn Licht nötig ist, lieber wenige, gezielt gesetzte Lampen statt „alles hell machen“. Und bei Verpflegung und Material gilt: Mehrweg statt Einweg, Wasser im Kanister statt viele kleine Flaschen, und nur das auspacken, was ihr wirklich braucht. So bleibt alles geordnet und umsetzbar und ihr spart ganz nebenbei Emissionen und Müll.
Tipp: LED-Lampen sind heutiger Standard und sie benötigen deutlich weniger Storm als ältere Halogen-Lampen. Gleichzeitig werden sie kaum heiß und reduzieren dadurch auch das Verletzungsrisiko.
ℹ️ Vermeide durch eine gute Planung Fahrten und reduziere Abfall durch passende Verpflegung. Das ist einfach aber effizient. Auch hier gilt: Das alles erleichtert auch den Dreh.
Nachbearbeitung: Nicht sofort ersichtlich
Auch nach dem Dreh kannst du noch einiges beeinflussen, obwohl es auf den ersten Blick weniger offensichtlich wirkt. In der Postproduktion entstehen Emissionen vor allem durch unnötige Rechenzeit und Datenmengen, also durch zu viele Versionen, zu große Dateien und ständiges Hin und Her. Wenn du vorab festlegst, in welchem Format ihr wirklich ausspielen wollt, wie viele Korrekturrunden es geben soll und wer intern die Freigabe gibt, sparst du überraschend viel Aufwand.
Hilfreich ist auch ein sauberes Datenmanagement: Nur das Material sichern, das ihr wirklich behalten wollt, Duplikate (keine Sicherungen!) löschen und eine kleine interne Mediathek aufbauen, damit du beim nächsten Projekt nicht wieder alles neu drehen musst, nur weil etwas fehlt. So wird der Schnittprozess schneller und nachhaltiger, ohne dass du dafür Spezialwissen brauchst.
CO2 messen und dokumentieren
Wenn du nachhaltiger produzieren willst, musst du nicht sofort eine perfekte CO2 Bilanz erstellen. Für Unternehmensvideos reicht oft ein einfacher, nachvollziehbarer Start: Schreib dir für jedes Projekt kurz auf, wo gedreht wurde, wie viele Personen vor Ort waren, wie sie angereist sind und ob es zusätzliche Transporte gab. Ergänze zwei, drei Stichpunkte zu Strom und Licht, zum Beispiel ob ihr überwiegend vorhandenes Licht genutzt habt oder zusätzliches Licht im Einsatz war. So erkennst du mit der Zeit Muster, etwa dass die meisten Emissionen bei euch durch Anreisen entstehen oder dass ihr bei Events regelmäßig unnötig viel Equipment bewegt. Und genau daraus kannst du dir dann konkrete Regeln ableiten, die beim nächsten Dreh automatisch greifen.
ℹ️ Es geht nicht darum, konkrete Zahlen zu ermitteln, sondern vielmehr darum die Prozesse zu etablieren und das Bewusstsein dafür zu stärken. Denn in vielen Unternehmen ist das Thema nicht präsent.
Nachhaltige Produktionen als Anforderung definieren
Wenn du für ein größeres Projekt einen Dienstleister beauftragst, kannst du Nachhaltigkeit am einfachsten über ein klares Briefing steuern. Schreib nicht nur „bitte nachhaltig“, sondern gib ein paar konkrete Leitplanken vor: Dreh möglichst am Unternehmensstandort oder in der Nähe, Anreisen bündeln und wenn sinnvoll Bahn statt Auto oder Flug, Teamgröße schlank halten und Transporte vermeiden, indem vorhandene Locations und Ausstattung genutzt werden. Frag im Angebot gezielt nach einem kurzen Reisekonzept und danach, welche Maßnahmen bei Energie, Material und Catering vorgesehen sind. Das klingt formeller als es ist, sorgt aber dafür, dass das Thema nicht untergeht. Und es hilft auch dir, Angebote besser zu vergleichen, weil du nicht nur über Preis und Look sprichst, sondern über den Weg dorthin.
ℹ️ Beachte, dass du nicht unnötig in die Prozesse des Dienstleisters eingreifst. Denn viele sind bereits darauf bedacht klimaschonend zu produzieren und haben entsprechende Abkäufe etabliert. Spreche das Thema daher erstmal nur kurz an und entscheide dann, ob du weitere Vorgaben oder Wünsche äußerst.
Green Shooting klingt für Unternehmen schwieriger, als es ist
Green Shooting ist kein Extra, das du oben drauf packen musst. Für Unternehmensvideos heißt es vor allem: sauber planen, unnötige Wege vermeiden und am Drehtag bewusst mit Energie, Material und Verpflegung umgehen. Starte beim nächsten Interview mit einer einzigen Regel, zum Beispiel Anreisen bündeln oder nur das einpacken, was wirklich gebraucht wird. Das sorgt für eine einfachere Produktion, reduziert oft Kosten und ganz nebenbei schonst du auch das Klima.
Habt ihr Standards oder Regeln für klimaschonende Produktionen?
Weitere Infos rund um Videoprojekte im Unternehmen findets du auch auf der Übersichtsseite.



