
Videoprojekte im Unterricht fair bewerten
Dieser Artikel wurde zuletzt am 17. August 2026 aktualisiert.
Videoprojekte mit deiner Klasse sind eine gute Möglichkeit, passende Unterrichtsinhalte kreativ aufzubereiten. Bei der Bewertung entstehen allerdings oft Probleme und ich kenne viele Lehrkräfte die hier alleine durch eine Abgabe pauschal eine eins vergeben. Das ist wenig sinnvoll, denn mit ein wenig Vorbereitung lässt sich auch ein Videoprojekt sinnvoll bewerten.
Inhaltsverzeichnis
Bewertungskriterien vorher festlegen
Deine Schülerinnen und Schüler sollten schon bei der Aufgabenstellung wissen, worauf du Wert legst. Das betrifft den Inhalt genauso wie Gestaltung, Technik und Zusammenarbeit. Mache klar, wo der Schwerpunkt liegt. Das kann je nach Projekt oder auch Fach unterschiedlich sein. Im Deutschunterricht wird das Drehbuch und die Dialog deutlich wichtiger sein, als die z.B. die Kreative Umsetzung, die wiederum im Kunstunterricht wichtig ist.
💡Ideen für Videoprojekte findest du hier
Vor allem die technischen Kriterien solltest du im Vorfeld beachten. Hast du beispielsweise erklärt, wie Gegenlicht vermieden werden kann, kannst du diesen Punkt später auch bewerten. Dreht eine Gruppe ihr Interview trotzdem direkt vor einem hellen Fenster, obwohl ein anderer Drehort problemlos möglich gewesen wäre, wurde das vermittelte Wissen nicht angewendet.
ℹ️ Subjektiv kann ein Video, das mit einer hochwertigeren Kamera gefilmt wurde, besser wirken. Versuche aber zu trennen und dich auf die festgelegten Kriterien zu fokussieren. Die technische Umsetzung lässt sich natürlich leichter vergleichen, wenn alle Gruppen mit den gleichen Geräten arbeiten.
Der Inhalt sollte im Mittelpunkt stehen
Bei einem Videoprojekt im Unterricht geht es nicht um die Produktion eines technisch perfekten Films. In vielen Fällen soll ein fachlicher Inhalt verständlich, sinnvoll und kreativ ausgearbeitet werden. Entsprechend sollte auch die Bewertung aufgebaut sein.
Eine Gruppe mit einer guten Kamera sollte keinen Vorteil gegenüber einer Gruppe haben, die mit einem Smartphone arbeitet. Interessanter ist, wie die vorhandene Technik eingesetzt wurde: Ist die Sprache verständlich? Wurde ein geeigneter Drehort gewählt? Unterstützen Bilder und Schnitt den Inhalt? Wurden Perspektiven bewusst eingesetzt?
Technische Fehler sollten daher nicht zwingend zu einer schlechteren Bewertung führen. Leichtes Bildrauschen ist beispielsweise kaum relevant, wenn der Inhalt gut verständlich bleibt. Ein kaum verständliches Interview ist dagegen problematischer, besonders wenn die Gruppe das Problem bereits während der Aufnahme hätte erkennen und lösen können.

Kreativität fair bewerten
Ein Video ist immer auch eine kreative Arbeit. Genau das macht die Bewertung so schwierig.
Die aktuelle Schülergeneration hat einen anderen Humor, nutzt andere Erzählweisen und orientiert sich an Videos, die sie aus Social Media kennen. Das muss dir persönlich nicht gefallen.Für die Bewertung ist deshalb vor allem wichtig, ob eine kreative Entscheidung zum Inhalt passt.
Ein ungewöhnlicher Einstieg, eine besondere Kameraperspektive oder ein schneller Schnitt sind daher positiv zu bewerten, wenn sie das Video unterstützen. Wenn aber nur Effekte eingesetzt wurden, da sie „episch“ aussehen oder Aufnahmen erstellt wurden, die den Inhalt nicht unterstützen oder keine erkennbare Funktion im Video haben, ist das ein Negativpunkt.
ℹ️ Eine einfache Idee, die konsequent umgesetzt wurde ist meist besser zu bewerten als einzelne gute Szenen.
Auch den Arbeitsprozess beobachten
Bei einem Videoprojekt entsteht die Leistung nicht erst beim fertigen Film. Recherche, Planung, Dreh, Organisation und Schnitt gehören ebenfalls dazu. Gerade während der Unterrichtszeit kannst du deshalb viele Aspekte beobachten, die im fertigen Video nicht mehr sichtbar sind.
Wie verteilt die Gruppe ihre Aufgaben? Wie reagiert sie auf Probleme? Was passiert, wenn eine Aufnahme unscharf ist oder der Ton nicht funktioniert? Auch der Umgang mit Personen vor der Kamera kann interessant sein. Wird einem unsicheren Interviewpartner geholfen? Werden Aufnahmen wiederholt, wenn etwas nicht funktioniert? Sucht die Gruppe selbstständig nach Lösungen?
Videoproduktion ist Teamarbeit
Vor der Kamera zu stehen ist nur eine Aufgabe innerhalb einer Videoproduktion. Planung, Kamera, Ton, Organisation und Schnitt sind genauso wichtig. Nicht alle Schülerinnen und Schüler werden dabei die gleiche Aufgabe übernehmen oder gleich viel Freude am Filmen haben. Bewerte also die Beteiligung in der Gruppe.
Eine individuelle Bewertung empfehle ich dir nur, wenn einzelne Schülerinnen und Schüler deutlich weniger mitarbeiten oder die Arbeit der Gruppe behindern. Ein kurzes Einzelgespräch kann dir dabei helfen, die tatsächliche Beteiligung besser einzuschätzen.
Die Bewertung erfolgt während dem ganzen Projekt
Wenn du von Anfang an die Schwerpunkte und Bewertungskriterien festlegst und diese auch mit deiner Klasse teilst, ist eine faire Benotung möglich. Anders als bei einer Mathearbeit gibt es allerdings nicht nur richtig oder falsch. Stattdessen fließen verschiedene Aspekte in deine Bewertung ein. Dazu gehört das finale Ergebnis genauso wie die Art und Weise der Umsetzung.
🎓 In meinem kompakten Kurs zeige ich ausführlicher, welche Kriterien sich für Videoprojekte eignen, wie du diese gewichten kannst und wie daraus ein konkretes Bewertungsraster für deinen Unterricht entsteht. Außerdem erhältst du eine Excel-List zum Download, mit der du eine Note aus festgelegten Kriterien erstellen kannst.



